
Die im wildromantischen Wutachtal mit seinen botanischen und geologischen Besonderheiten
gelegene Scheffellinde hat eine jahrhundertealte Tradition. Eine Taverne mit dem Recht,
"Fremde zu beherbergen und Hochzeits-, Tauf- und Tanzveranstaltungen abzuhalten",
wird erstmals im Jahre 1543 in Achdorf erwähnt. Sie war Teil eines herrschaftlichen Meierhofes,
zu dem später auch eine Mühle, eine Brauerei und eine Drechslerei gehörte.
Die Brauerei wurde 1905 aufgegeben. Im gleichen Jahr erhielt das Gasthaus eine
Poststelle, die bis 1994 bestand.
Die zunächst namenlose Taverne wurde erst Linde genannt, nachdem Talbewohner im Andenken an den
Westfälischen Frieden von 1648 und aus Dankbarkeit über das Ende der Schreckenszeit des
Dreißigjährigen Krieges 1651 eine Friedenslinde vor das Gasthaus gepflanzt hatten. Unter ihr trat
lange Zeit das Achdorfer Dinggericht zusammen.
Im Jahre 1972 musste der altersschwache Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Über seinem
Stumpf ließ der seit 1966 "amtierende" Scheffel-Wirt Gustav Wiggert ein pilzförmiges Dach errichten
und pflanzte eine neue Linde.
Wie seit ihrem Bestehen, übernahm 1893 die Familie Wehinger, aus der Gustav Wiggerts Mutter stammt,
die Scheffellinde in mütterlicher Erbfolge von der Familie Meister. Eines ihrer Kinder war die von dem
im 19. Jahrhundert populären Schriftsteller Joseph Viktor von Scheffel verehrte Tochter Josefine.
Inzwischen führt wiederum eine neue Generation die Geschäfte: Sabine und Karl-Friedrich, zwei der vier
Kinder Gustav Wiggerts und seiner früh verstorbenen Ehefrau Anna, geborene Baumann. Sie pflanzten
anlässlich der Feier zum 450jährigen Bestehen des Gasthofs ebenfalls eine Linde.
Die historische Scheffellinde brannte im Jahre 1930 bis auf die Grundmauern nieder. Sie wurde jedoch
zwei Jahre später im gleichen Stil neu errichtet.
Der Literat, die Linde zu Achdorf und seine Liebelei mit Josefine
Von "unbeschwerten Stunden in der Linde zu Achdorf" schwärmte Joseph Viktor von Scheffel
immer wieder in seinen Briefen. Am Ende des 19. Jahrhunderts gehörte der am 16. Februar 1826 in
Karlsruhe geborene Schriftsteller zu den populärsten und erfolgreichsten seiner Generation. Egon III.,

in Donaueschingen residierender Fürst zu Fürstenberg, nahm ihn 1857 als Hofbibliothekar in seine Dienste.
Der damals 31 jährige Scheffel entdeckte in dieser Zeit auf seinen Streifzügen nicht nur die Schönheit der
Natur von Hegau und Baar. Trotz ehedem noch recht beschwerlichen Fußwegs in die Schlucht zur Linde, legte
ihn der Literat immer wieder zurück. Er schätzte nicht nur die traditionelle Gastlichkeit des Hauses.
Mehr noch war er Wirtstochter Josefine zugetan. Sie ist es, die er in einem ihr gewidmeten Vers als
Mariagutta besingt. Joseph Viktor von Scheffel war ein gern gesehener und verehrter Gast.
Nach seinem Tod im Jahre 1886 wurde ihm zu Ehren die Linde in "Scheffellinde" umbenannt.
Die beiden Scheffel und Mariagutta darstellenden Ölgemälde befinden sich im
Scheffelzimmer des Landgasthofes Scheffellinde.
Ende 1858 sandte Joseph Victor von Scheffel aus Donaueschingen an einen Freund,
der ihn im Sommer besucht hatte, das Lied von der Mariagutta.